Orion

Bild von 2011

 

 

2008  ging er in meinen Besitz über.

Er war das Pferd meines Mannes, welcher nach mehreren Reitunfällen mit ihm, das Reiten aufgab.

Damals dachte ich, er wäre schwierig und unreitbar.

Aber er lehrte mich was anderes. Zunächst zeigte er mir wie fein er zu reiten ist, als mein Körper wieder in der Lage war, verspannungsfrei zu sitzen.

2012 wurde er schwer krank und er lehrte mich, mir zu vertrauen.... meinem Instinkt und Gefühl zu vertrauen.  

2016 er wird heuer 22 Jahre, für manche ein Wunder. Ich liebe ihn, meinen König.  

 

 

So lernten wir uns 2001 kennen, damals hieß er noch Hidde van West Raven. Ich dachte mir zu dieser Zeit schon, der Name passt nicht, aber er hört jetzt schon 7 Jahre auf seinen Namen, also lassen wir das so. Ich empfand ihn  als Rüpel, rücksichtslos gegenüber Mensch und Tier, er wurde auch schnell übergriffig, biss und trat um sich. Was sich leider sehr schnell rausstellte, er war nicht sozialisiert und nun kam er zu uns in einen Offenstall!

 

   

Er war schon immer ein stolzes Ross und präsentierte sich gerne. Er liebte es die Menschen zu beeindrucken. Hier mein Mann auf seinem Schlachtross beim Umzug für ein Mittelalterfest in Füssen. An dieser Stelle wartete er immer schon, dass er die "Lechhalde" mit hallenden Huftritten hinauftraben durfte und das " Volk" jubelte ihnen zu.

Das war ein seltener Anblick! Orion mit seinem Stallkumpel, in trauter Zweisamkeit. Es dauerte nicht lange, dann beanspruchte er alles für sich. Zwei Boxen inkl. Heu, Krippenfutter, Wasser, Schattenplatz und so patrollierte er ständig hin und her fraß da und dort. Sein Kumpel lieferte sich mit ihm oft Kämpfe, die Orion fast alle verlor und er sich kurz zurück nahm, aber das war nie von langer Dauer. Auch Ausritte zusammen mit fremden Pferden waren sehr spannend, denn er achtete immer sehr auf seinen Menschen und wenn dieser definitiv nicht aufmerksam war, startete er meist erfolgreich seine Angriffe auf die anderen Pferde.

2003 gab mein Mann auf und ich suchte immer wieder Menschen, die ihn mochten und Lust hatten mit ihm zu arbeiten, denn ich hatte Angst vor ihm.

Eines Tages beschloss ich ihn zu longieren, da er mir leid tat und er immer nur zu kucken durfte, wenn ich mit seinem Stallkumpel, was mein Pferd war, etwas machte. Ich holte in aus seiner Box, putzte ihn und führte ihn auf den Reitplatz. Jedesmal wenn ich ihn raus schicken wollte, griff er an. Da beschloss ich mit ihm nichts mehr zu machen, außer ihn zu striegeln ect.

Auf der Weide vertrugen sie sich gut und standen auch beisammen, da Orion ( Herr Verfresslich wie ich damals sagte) seinen Kopf ins Gras steckte und die Welt um sich vergaß. Selbst der Hengst (links im Bild), den wir zu dieser Zeit als Verkaufspferd bei uns hatten, interessierte ihn dort nicht. 

Was auch immer passiert ist, wir wissen es nicht, plötzlich fing Orion an, den Zaun umzurennen und nach Hause zu laufen. Egal wie wir zäunten und Strom durch jagten, nichts hielt ihn auf. Leider war der Weg nach Hause über das Bahngleis und so entschieden wir uns, die Pferde nicht mehr rauszubringen. Das war uns dann doch zu gefährlich. Egal wie sehr wir uns auch bemühten, Wiesen auf der anderen Seite der Gleise zubekommen, keiner wollte uns welche geben. 

 

 

2005 verliebte sich meine Freundin Sandy in Orion und wir hatten viele schöne, lustige und spannende Ausritte, Reitstunden und Erlebnisse mit den Pferden. Und ich bemerkte ein "unsichtbares Band" zwischen den beiden. Immer öfter hatte ich das Gefühl, dass er nur aus Selbstschutz heraus so eine harte Schale zeigte und aber einen äußerst weichen Kern hatte.

2006 war mein Sohn für sein Reitschulpferd zu groß geworden und wir beschlossen es zu wagen, die Reitstunden mit Orion fortzuführen. Ich hatte von Anfang an bemerkt, dass die Zwei sich mochten. Vor allem liebte mein Sohn die "Rodeoeinlagen" von Orion. Er hatte sich irgendwann angewöhnt, sich in den Galopp zu buckeln. Ich stand  bei jeder Reitstunde dabei, beobachtete die beiden und fühlte immer eine Leichtigkeit und Zufriedenheit bei Orion, wenn er ihn ritt. Er sah ganz anders aus dabei. Ich redete mir damals ein, dass es wohl am Geburtsdatum liegt, denn sie waren auf den Tag genau gleich alt.

Um die gleiche Zeit etwa wurde ich von meinen Pferdefreundinnen genötigt Orion einmal zu reiten.

Man beachte mein Gesicht.... ich auf dem Pferd vor dem ich Angst hatte! Heute bin ich froh das erlebt zu haben. Ich musste jeden einzelnen Schritt heraustreiben, er wollte mich genauso wenig tragen, wie ich ihn reiten wollte. Ich stieg relativ schnell, schweißgebadet  wieder ab und beschloss das nie wieder zu tun! ( Es kommt meistens anders, als man denkt.) 

 

Die Reitlehrerin meines Sohns kam nun regelmäßig auf den Hof, ritt Orion um ihn zu fördern und zu fordern, zwischen den Reitstunden, die Marc auf ihm hatte. Da Orion (bei einem seiner Vorbesitzer) eingefahren war, zogen wir auch mit ihm den Platz ab, um  wieder mit den Pferden arbeiten zu können. Auch ich beschloss, bei ihr auf Orion Reitstunden zu nehmen. So langsam lernten wir uns etwas besser kennen und auch ein bisschen zu mögen. Ich empfand aber die Ritte mit ihm extrem anstrengend, denn wir sprachen unterschiedliche Sprachen. Aus diesen "Missverständnissen" da mein Körper ihm was anderes sagte als die gegebene Hilfe, wurde es reine Kraftreiterei.  Aber dazu später.

Zunächst fing ich an ihn zu gymnastizieren. Wir machten viel Boden- und Longenarbeit und ich merkte, dass er jedes gesprochene Wort verstand. So nach und nach bauten wir eine Beziehung auf und ich verlor die Angst vor ihm. Er drohte mir oft, schlug auch hinter meinem Rücken mit dem Vorderhuf, mir kam das immer wie ein Test vor, denn früher hat das ja auch geklappt.....!

2008 nachdem ich mich wieder einigermaßen gefangen hatte, von unschönen Ereignissen (die mir Gesundheitlich den Rest gegeben hatten) begann ich, um mir zu helfen und um meinen Traum zu verwirklichen, mit Pferden zu arbeiten, die Ausbildung zum Feldenkrais- und Pferdepractitioner.

Als ich dort lernte, mich wieder zu spüren, ich wieder ins natürliche Gleichgewicht gebracht wurde, änderte sich so einiges für mich und die Pferde.

So manches Wort, welches mir meine Reitlehrer, meine Ärzte und meine Krankengymnasten gesagt hatten, habe ich noch im Ohr. Natürlich möchte man das ändern, wie z.B. deine rechte Schulter ist zu weit vorne und oben... setz Dich mal gerade hin. Was macht man ? Man drück die Schulter nach hinten unten. Wie lang hält man das? Nicht lange, den das Gehirn sagt: Jetzt bist Du schief! Was das für Auswirkungen für die Pferde hat? Pferde lassen sich eigentlich rein nur über Gewichtshilfen reiten. Wenn man nun irgendwo schief, also nicht mehr im Gleichgewicht ist, kommen beim Pferd falsche Signale an. Das war der Grund warum die Pferde, die ich ritt, einen Drang nach links hatten.  Viele Pferde stumpfen dann ab und hören nicht mehr auf die Gewichtshilfen ihrer Reiter .... meine nicht, sie wehrten sich.... Orion fing an zu kämpfen um mich wach zu rütteln und sein Stallgenosse Eridon, lief unter meinem Hintern davon und wurde immer schneller.

Als ich nach ein paar Monaten Ausbildung wieder aufsaß und Orion ritt, war das für mich ein total anderes Pferd. Ich musste nicht mehr treiben, er lief flott vorwärts und schlussendlich musste ich nur noch denken und er ging z. B. rechts auf den Zirkel. Denn wenn man fähig ist die Bewegung durch  seinen ganzen Körper durch zu lassen, erst dann spricht der Reiter klar mit seinem Pferd. Denn selbst beim Denken passiert schon was in jedem Körper und das reicht dem Pferd schon. Dann hat man auch ein durchlässiges Pferd. 

Fortsetzung folgt !