Eridon
Bild von 2010
mein Seelenpferd, der ständig versucht alles für mich zu tragen. Wenn es mir gut geht, geht es ihm auch gut. Mit dieser Verbindung holt er mich regelmäßig auf den Boden Tatsachen zurück. Manchmal, wenn ich länger total "neben mir stehe", auch mit der für mich, Holzhammermethode. --- Er wird krank!
Ohne ihn hätte ich mich wahrscheinlich nie auf den Weg zu mir selbst gemacht. Ich weiß, dass ich damit eine riesen Aufgabe habe, dass er, er selbst sein darf, will und soll. Er ist ein "Gefallen woller" bis hin zur Selbstaufgabe ... so wie ich es einst war!
Mein Herr der Ehre ... das ist die Bedeutung seines Namens ... Eridon.

 

Das war er 2001 ein kleines 4 jähriges Hengstkind und ich verliebte mich spontan in ihn.

Ich wollte keinen Friesen, denn sie waren mir zu viel Pferd, ich wollte eine kleinere Rasse. Der Chef vom Gut sagte mir: Einen kleinen Friesen habe ich für Sie und brachte Selle, so hieß er damals, auf den Sandplatz. Er schnalzte die Peitsche und da sah ich einen wilden, stolzen, schnellen und eleganten Hengst und ich hörte mich nur noch sagen: Den will ich.... Liebe auf den ersten Blick.

Hier nochmal ein Bild von ihm auf Gut Seedorf, mit seinem neuem Sattel, den ich für ihn gekauft hatte.

Ich musste noch zwei Monate warten, bis die Pferde zu uns kamen, da der Stallbau noch nicht abgeschlossen war. Nach vier Wochen konnte ich es nicht mehr aus halten und so fuhr ich nochmal quer durch Deutschland um ihn zu besuchen. Man bot mir dort an, ihn in der Halle zu reiten. Also machte ich ihn fertig und saß mit wackligen Knien auf. Der Tag war sehr stürmisch und im Hallendach waren große Fenster um das Licht rein zulassen. Am Hallenboden zeichneten sich die Wolken, die schnell vorbei flitzten, ab. Was ich nicht wusste, Eridon war noch nie alleine in der Halle, er war auch erst wenige Wochen unter dem Sattel (das war mir bewusst) ... nun es kam wie es kommen musste. Wir beide kannten uns nicht, weder vertraute er mir, noch ich ihm.... er erschrak und ich flog im hohen Bogen an die Bande der Reithalle. Das war das erste mal, dass  ich Bekanntschaft mit Eridons schnellen Haken, die er schlug und sich dabei unter dem Reiter wegduckend, machen konnte. Ein netter Herr eilte in die Halle, half mir auf, fing Eridon wieder ein und bat mich gleich wieder aufzusitzen. Was ich für eine Schrittrunde mit klopfenden Herzen und einem schmerzenden Körper auch tat.

Ich weiß es noch, als wäre es gestern gewesen. Am 02.11.2001 kamen sie nach 12 Stunden Fahrt zu uns auf den Hof. Wir luden sie auf dem Sandplatz aus und sie genossen diesen mit wälzen und rum toben. Diese Aufnahme wurde gleich nach dem Ausladen gemacht. Auch unsere Weimaraner Hündin Gina begrüßte die Beiden neugierig.

Die ersten paar Wochen verstanden sich die Zwei ganz gut oder notgedrungen, denn sie waren ja nur zu zweit. Sie tobten und kämpften spielerisch. Eridon kannte das ja, er war bis zum vierten Lebensjahr, in einer reinen Hengstherde aufgewachsen. Aber so nach und nach wurde es ernster und Orion nahm den kompletten Stall in Besitz und Eridon musste im hinteren Drittel des Platzes stehen. Ohne Futter, Wasser, Schatten oder Schutz vor Schnee oder Regen. Ich finde auf dem Bild sieht man ihm seine Sorgen schon an. Ich bat immer wieder meinen Mann, die beiden zu trennen aber er meinte, ich würde das falsch sehen. 

Ich gab nach, wie Eridon irgendwann auch. Er kämpfte jeden Tag um sein Recht, gewann die Kämpfe auch, aber es war sinnlos. Orion steckte nie zurück und so ging es jeden Tag auf`s Neue los. Bis Orion eines Tages Eridon in seiner Box erwischte und ihn in die Ecke stellte und gnadenlos auf ihn eintrat. Ich war Gott sei Dank im Stall und lockte den "verfressenen" Orion mit Rüben in die andere Box und sperrte ihn sofort ein. Ich dachte Eridon hat alles gebrochen, aber er hatte nur dicke Blutergüsse.

In der Stallwand waren große Löcher von den Tritten von Orion. Nun war mir alles egal, ich zog über die gesamte Länge des Auslaufes  Litzen und damit war das Zusammensein beendet. Orion wurde offensichtlich nicht sozialisiert und hatte vermutlich von klein auf Einzelhaft erleben müssen. Es dauerte über zwei Jahre bis Eridon sich, ohne dass er sich vorher vergewisserte, das Orion nicht zu ihm rüber kann, in seine Box ging.   

 

Wir bekamen von einem Reitlehrer klassisch, englischen Reitunterricht und wir durften unsere neuen Westernsättel nicht benutzen, da er uns sonst nicht unterrichten würde. Also mussten wir uns neue Sättel kaufen. Nach München wurden wir geschickt, zu einer Nobelsattlerei und es wurden für Pferd und Reiter Maßsättel angefertigt. Heute lange ich mir ans Hirn .... für einen Vierjährigen Friesen, der noch voll im Wachstum war, aber weder die Sattlerei sagte etwas, noch der Reitlehrer. Naja, nach ein paar Wochen war mein Sattel endlich da und ich legte ihn auf und ritt und ritt, aber ich kam nie zum Sitzen. Ich mochte unseren Maßsattel nicht, denn er zwängte mich in eine Haltung, in der keine Beckenbewegung mehr möglich war. Und nach ein paar Wochen verzog auch Eridon das Gesicht, wenn ich mit dem Sattel um die Ecke kam. Hinzu kam, dass wir über ein 3/4 Jahr 2-3 mal die Woche ausschließlich an die Longe genommen wurden. Eridon  müsste zuerst an  die Zügel herantreten können und ich sollte erst mal sitzen können. OK ... das mit einem Gefallenwoller und einer Perfektionistin..... und so nahm das Schicksal seinen Lauf.

Irgendwann, Eridon war inzwischen 5 Jahre, sagte ich stopp und verabschiedete den Reitlehrer. Wir konnten in der Zwischenzeit super links rum Schritt und Trab reiten, aber rechts rum oder gerade aus ging gar nichts mehr. Nach der langen Longenzeit, hauptsächlich linker Hand, waren wir beide im Linksherummodus. Also versuchten wir uns im gerade aus Bewegen und ich ritt wieder im Westernsattel.

In einem benachbarten Stall  wurde ein Horsemanship-Kurs angeboten und wir beschlossen daran teilzunehmen. Diese Welle schwappte gerade nach Deutschland und die Bilder die man zu Gesicht bekam, versprachen gewaltfreies Kommunizieren mit dem Pferd und ich dachte mir: Genau das will ich und wollte ich ja schon immer. Oh Gott, was habe ich meinem Pferd angetan (und mein Mann seinem). Es war schrecklich.... aber man machte mit, denn der Ehrgeiz, nachdem Stimmen innerhalb des Kurses laut wurden, dass wir mit unseren trampeligen, sturen Friesen, alles aufhalten würden, war geweckt. Wir kauften brav die dort angebotenen Knotenhalfter  und die passenden Stricke, mit mega schweren Karabinerhaken d`ran und schon ging`s los, mit Druck weichen.  Natürlich wichen die beiden nicht, sondern wehrten sich, also wurden die schweren Haken vom Trainer rechts und links gegen die Unterkieferknochen geschlagen. Eridon kapierte schnell, dass es hieß Schmerz -Weichen und ließ sich dann doch rückwärts richten. Mein Herz blutete ...... aber offensichtlich nur meines. Kurz darauf bot sich die Möglichkeit beim Maestro des Join ups Karten zu bekommen. Ich war begeistert, endlich ohne Gewalt und kaufte mir alle Bücher, las , studierte  und wendete an. Eridon schloss sich mir an, aber er war irgendwie nicht mehr das junge, kraftvolle, strahlende Pferd. Er und ich wurden immer kränker ... ich hatte Rückenschmerzen, er auch, mein rechter Arm machte nicht mehr mit, ich bekam den schweren Westernsattel nicht mehr aufs Pferd. Als der neue Sattel angepasst wurde, bekam er die Diagnose Kissing Spines und ich soll mal langsam tun mit dem Reiten. Viel Bodenarbeit und Spazierengehen waren angesagt.    

Hinzu kam, dass er sich nicht mehr aufhalftern und gurten lies. Das Pferd, dass einmal von alleine ins Halfter schlüpfte, entzog sich komplett. Das waren deutliche Worte von ihm. Also jeden Tag mehrmals hinter in den Stall, ihm das Halfter gezeigt, einen Strick um den Hals geworfen und ihn jedes mal gelobt, wenn auch nur die Nase ansatzweise in der Nähe des Halfters kam. So vergingen Wochen bis es wieder gut klappte. Dann bin ich mit ihm auf den Platz, habe ihn geführt oder longiert. Raus traute ich mich mit ihm alleine nicht. Ich bekam Hilfe ... wir verabredeten uns, ich drückte ihn ihr in die Hand und so schnell konnte ich gar nicht schauen, wie sie mit der Gerte auf ihn einschlug und mir erklärte .... das musste geklärt werden. Nun von da weg hatte ich keine entspannten Spaziergänge mehr mit ihm. Eine nette Kollegin kam und machte Spaziergänge mit uns. Egal wie weit wir gingen, wir hatten ein piaffierendes, aufgeregtes Pferd an der Hand. In der Zwischenzeit nahm ich Reitstunden auf Schulpferden, aber irgendwie brachte ich alle Pferde auf Ausritten durchzugehen oder mich in der Stunde auf dem Reitplatz vorzuführen.

Als Eridons Rücken besser wurde, kam eine der Reitlehrerinnen, bei der ich bisher extern ritt, zu uns auf den Hof. Sie lieh mir auch ihren Sattel, der auf Eridons Rücken saß (er war etwas flexibel und ich ritt diesen Sattel bei ihr auch gerne). Jetzt hatte ich nur noch das Problem des Aufsitzens. Denn alleine konnte ich nicht mehr aufs Pferd, er blieb nicht mehr stehen. Egal welche Tricks ich mir überlegte, er war schlauer. Die Reitlehrerin hielt ihn mir jedes mal und kontrollierte ob ich den Sperriemen auch richtig fest zugeschnürt hatte. Hatte ich nie, denn er tat mir leid mit einem so fest verzurrten Maul.

Fortsetzung folgt !